Das Gespräch zum Nachlesen
Florian Keusch spricht mit Ing. Ronald Mechtler, BA, MBA, Geschäftsführer der R. M. Prozessfinanzierung GmbH. Der Text gibt das Gespräch aus dem Video wieder und ist sprachlich leicht geglättet.
Wer hinter der R. M. Prozessfinanzierung steht
Florian Keusch: Lieber Ronald, vielen Dank, dass du heute da bist. Du bist der Prozessfinanzierer. Vor dieser wunderschönen Wiener Kulisse wollen wir heute herausfinden, was ein Prozessfinanzierer eigentlich macht. Viele wissen das ja überhaupt nicht. Die Einstiegsfrage wäre: Wer ist die Person hinter der R. M. Prozessfinanzierung? Erzähl einmal ein bisschen was über dich.
Ronald Mechtler: Mein Name ist Ronald Mechtler, und ich bin Prozessfinanzierer aus Österreich. Wir haben unseren Hauptsitz in Wien, und unser Fokus liegt in Malta, in Zypern, in Curaçao. Das heißt, unser Hauptgeschäft bezieht sich auf Online-Casino-Klagen gegen Betreiber, die sich im Ausland befinden.
Florian Keusch: Aber die Kunden sind schon aus Österreich, oder?
Ronald Mechtler: Genau. Wir bedienen österreichische Kunden, aber auch Kunden in Deutschland.
Was ein Prozessfinanzierer macht
Florian Keusch: Und was macht jetzt so ein Prozessfinanzierer? Wie kann ich mir das vorstellen? Komme ich da hin, und du übernimmst dann?
Ronald Mechtler: Du stellst uns eine unverbindliche Anfrage, und wir prüfen deinen Fall. Wir sind nicht nur im Online-Glücksspiel tätig, sondern auch im Bereich der Kreditklagen und im Bereich der Sportwettenklagen. Nachdem du den Kontakt mit uns aufgenommen hast, schauen wir, um welche Summen es geht. Wo hast du gespielt? Welcher Betreiber ist es? Oder hat er möglicherweise schon seinen Standort gewechselt? Wir sehen in letzter Zeit sehr oft Abwanderungen von Malta nach Curaçao oder in andere Länder.
All das prüfen wir für dich und schauen, ob wir dir eine Finanzierung anbieten können. Wir übernehmen in weiterer Folge nicht nur die Prüfung, sondern auch die Finanzierung der gesamten Klage, also Übersetzungskosten und Sonstiges. Der erste Schritt ist aber einmal, dass du dich traust, uns zu schreiben, und wir unverbindlich deinen Fall prüfen.
Prozessfinanzierer oder Anwaltskanzlei?
Florian Keusch: Okay, aber seid ihr eine Anwaltskanzlei?
Ronald Mechtler: Genau das sind wir nicht. Unsere Partner sind aber alle Rechtsanwaltskanzleien aus Österreich, und genauso haben wir viele Kooperationspartner im Ausland. Nicht nur in Österreich, in Deutschland, in Malta und Curaçao, sondern wir haben auch viele Partner in anderen Ländern, in Drittstaaten, wo sich Vermögensgüter der Casino-Betreiber und anderer Firmen befinden.
Der Erstkontakt: Website, E-Mail, Telefon, WhatsApp
Florian Keusch: Und dann erzähl einmal, wie du gerade gesagt hast: Man meldet sich einfach. Wie ist das jetzt ab dem Erstkontakt? Was passiert da, wie geht es weiter? Kann man dir eine E-Mail schreiben oder anrufen?
Ronald Mechtler: Die Kanäle stehen dir natürlich offen. Du kannst dich einmal auf unserer Website einlesen.
Florian Keusch: Wie heißt die Website?
Ronald Mechtler: Auf meinprozess.com findest du sehr viele Details zu dem, was wir machen.
Florian Keusch: Was ist dir lieber? Ist dir lieber, ich rufe an, oder ist dir lieber, ich schreibe eine E-Mail? Das ist vielleicht auch nicht uninteressant.
Ronald Mechtler: Alles ist möglich. Eine E-Mail ist natürlich möglich, wenn du nicht telefonieren willst oder kannst. Manchmal lässt es die persönliche Situation auch nicht so einfach zu, sofort darüber zu telefonieren. Wir sind über WhatsApp erreichbar, aber genauso telefonisch.
Der Erstkontakt ist natürlich der wichtigste, weil du uns einmal die ganze Situation erklären kannst. Wir können dir relativ schnell eine transparente Antwort geben, ob wir etwas übernehmen können und wie die Chancen stehen. Vor allem ist die Hauptfrage natürlich immer die nach den Kosten und dem Kostenrisiko. Das klären wir alles mit dir im Erstkontakt, und du weißt, in welche Richtung es gehen wird.
Diskretion: wenn niemand davon wissen soll
Florian Keusch: Es ist ja vielen nicht gerade angenehm, bei illegalen Online-Casinos Geld verloren zu haben. Jetzt weiß das zum Beispiel mein Partner oder meine Partnerin nicht. Wenn ich dir jetzt schreibe, ist das für mich natürlich auch ein bisschen schwierig. Sage ich dann einfach dazu, bitte nur dann und dann anrufen? Wie löst du das Problem?
Ronald Mechtler: Diskretion ist uns definitiv wichtig. Nachdem es oft sehr private und sensible Situationen sind, gerade was die Familie, die Freunde und eventuell das Arbeitsumfeld betrifft, richten wir uns komplett nach dir. Wenn du nur die Möglichkeit hast, zu einer sehr frühen Stunde oder erst am Nachmittag zu telefonieren, oder möglicherweise nur am Sonntagnachmittag einen Termin wahrnehmen kannst, dann gibt es genauso die Möglichkeit, dass wir in Kontakt treten. Wir werden dir aber keine etlichen E-Mails schreiben, sondern wir warten darauf, dass du den Kontakt mit uns aufnimmst, und wenn es dir beliebt, kommen wir auf dich zu.
Wenn ein Verfahren nicht gewonnen wird
Florian Keusch: Und wie ist das jetzt, wenn man ein Verfahren nicht gewinnt? Angenommen, ich würde dich als Finanzierer in Anspruch nehmen, und der Fall geht verloren. Zahle ich dann etwas?
Ronald Mechtler: Das ist genau das Prinzip der Prozessfinanzierung: Wir tragen im negativen Verlauf eines Verfahrens die gesamten Kosten. Man könnte sagen, das ist unser Risiko, das wir hier für dich auf uns nehmen. Nur im Erfolgsfall erhalten wir ein Erfolgshonorar. Sprich, wenn der Fall wirklich erfolgreich beendet ist, erhalten wir einen Teil des erstrittenen Betrags beziehungsweise des Verlusts.
Florian Keusch: Will dann ein Anwalt Geld von mir haben, oder ist das inkludiert?
Ronald Mechtler: Die Anwaltskosten werden bei einem Vergleich oder bei einem gewonnenen Verfahren in der Regel zusätzlich zur erstrittenen Summe beglichen. Das heißt, sie sind nicht Teil des Betrages, den du rückerstattet bekommst. Diese Kosten des Anwalts, aber genauso die Gerichtspauschalen und so weiter, zahlen wir vorab. Das heißt, du musst tatsächlich nichts vorab zahlen.
Florian Keusch: […]
Ronald Mechtler: […] Und auch viele weitere Kosten wie Übersetzungskosten, Zustellkosten und viele andere Gebühren, die in einem jahrelangen Rechtsstreit anfallen. Oft wird die Frage gestellt, oder die Sorge steht im Raum, wie man sich das Ganze finanzieren kann. Vor allem ist nicht so bekannt, was da alles auf einen zukommt. In der Regel hat man sehr wenig mit dem Gericht zu tun, und es ist für sehr viele Menschen die erste Erfahrung.
Geht es auch ohne Anwalt?
Florian Keusch: Es kommt auch öfter die Frage auf: Brauche ich unbedingt einen Anwalt? Kann ich die ganze Geschichte nicht auch ohne Anwalt angehen?
Ronald Mechtler: Das hören wir natürlich sehr oft, und man liest davon auch schon extrem viel im Internet. Probieren kann man es, aber in der Regel wird man dann nicht ernst genommen, gerade bei komplexeren Casinos mit Sitz in Curaçao. Die wissen ganz genau, dass man diesen Schritt selbst oft nicht macht. Da hilft dann nur die Klage über einen Anwalt.
Wie die Casinos reagieren, Chancen und Dauer
Florian Keusch: Jetzt habe ich von Fällen gelesen, in denen das Casino sagt, das ist alles Unsinn, Österreich ist im Unrecht und verstößt gegen europäisches Recht. Ich sage mal, du bist kein Anwalt. Gibt es so viele Ausreden bei Online-Casinos, wenn man jetzt direkt hinkommt und sein Geld zurückhaben will?
Ronald Mechtler: In der Regel passiert es nicht, dass man hier irgendeine Art von rascher Rückabwicklung hat. Es werden in der Regel Abkäufe zu schlechten Konditionen angeboten, von denen wir grundsätzlich abraten. Wir versuchen immer, das Maximum herauszubekommen, in einer schnellstmöglichen Durchlaufzeit. Nach dem, was wir miterleben, dauert ein Verfahren im Schnitt zwischen 6 und 18 Monaten. Es kann einmal schneller sein, aber es kann auch deutlich länger dauern.
Florian Keusch: Und wie stehen die Chancen? Das ist natürlich immer von Fall zu Fall verschieden. Aber man kann schon ungefähr sagen, es gibt eine Dauer, die realistisch ist, oder?
Ronald Mechtler: Genau, es bewegt sich wirklich im Bereich von 6 bis 18 Monaten. Was wir in den letzten Jahren natürlich oft erlebt haben: Einige Firmen haben sich, ich nenne es jetzt einmal so, in eine Insolvenz gerettet. Und wie wir wissen: Wenn nichts mehr da ist, gibt es auch nichts mehr zu holen. Wir versuchen natürlich, die Rückforderung schnellstmöglich durchzusetzen. Wir sind aber auch an gesetzliche Fristen und Termine gebunden. In manchen Situationen lassen sich die Prozesse deshalb nicht beschleunigen.
Es kommt auch sehr oft zu Verzögerungen, die natürlich taktisch von der Gegenseite verursacht werden, wie es in allen anderen Verfahren auch üblich ist. Das ist jetzt keine große Überraschung, aber wir versuchen, das schnellstmöglich abzuwickeln. Die Insolvenzen sind ein großes Problem, und es wird sie auch weiterhin geben, genauso wie Abwanderungen, die wir oft sehen.
Verjährung, Insolvenzen, Abwanderung: warum Zeit zählt
Florian Keusch: Das heißt, man hat zwar länger Zeit, weil die Verjährungsfrist in Österreich ja relativ lang ist, nämlich 30 Jahre. Warum es trotzdem relativ flott gehen sollte: Casinos ziehen die Reißleine, gehen in Insolvenz, und man fällt dann um. Vorher hat das Casino vielleicht brav gezahlt. Deswegen ist für Spielerinnen und Spieler schon ein gewisser Handlungsdruck gegeben.
Ronald Mechtler: Definitiv, ja. Besser früher als zu spät. Die beklagte Seite hat genauso eine gute anwaltliche Vertretung und weiß natürlich, wie sie verzögern oder Forderungen auch langfristig ausweichen kann. Eines der beliebtesten Beispiele ist die Abwanderung in noch fernere Länder, raus aus dem EU-Raum oder dem europäischen Raum. Was wir aktuell sehr stark sehen, ist eine Abwanderung nach Costa Rica oder nach Anjouan.
Curaçao ist nicht mehr das Land, in dem sie nicht belangt werden können. Sie haben gemerkt, dass sie dort auch angreifbar sind, und versuchen jetzt, die Flucht anzutreten. Belize ist sehr berühmt für Abwanderungen, aber auch viele andere Länder und Inseln auf der Weltkarte, bei denen man erst einmal nachrecherchieren muss, wo dieses Land oder diese Insel überhaupt liegt. Insofern sind das Taktiken, die angewandt werden, um den Rückzahlungen auszuweichen.
Der erste Schritt
Florian Keusch: Jetzt haben wir schon sehr viel gehört, zu Casinos, zu Rückforderungen, zu Abkäufen. Jetzt würde mich, vor allem aber die Zuschauer, interessieren: Was ist der erste Schritt, wenn man jetzt zuschaut und sagt, ich komme da infrage, ich habe leider sehr viel Geld bei illegalen Online-Casinos verloren? Was ist der allererste Schritt, zu dem du rätst? Soll ich meine Verluste selbst beim Casino anfordern, oder melde ich mich zuerst bei dir? Was mache ich?
Ronald Mechtler: Das Sinnvollste ist, du schreibst uns einfach einmal, wie vorher schon beschrieben. Danach gibt es eine Anleitung, der du folgst. Das heißt, du forderst deine Transaktionen an, denn wir müssen einmal nachweisen, was du tatsächlich verloren hast. Das berechnen wir für dich. Danach geht es eigentlich relativ rasch: Nachdem wir das Vertragswerk und sonstige Unterlagen geklärt haben, geht der Fall gebündelt direkt an unsere Rechtsanwaltspartner, die nach einer kurzen Aufforderungsfrist zur freiwilligen Rückzahlung ziemlich rasch die Klage einreichen.
Dann warten wir die Zustellung und den Gerichtstermin ab. Du wirst in der Regel einmal vor Gericht erscheinen müssen. Das ist für viele [unserer Kunden] und die meisten die erste Erfahrung in ihrem Leben. Wir bereiten sie aber sehr gut darauf vor, und es sind Standardverfahren, vor denen keiner Angst haben muss. Es findet nicht wie im amerikanischen Film in einem Kreuzverhör statt. Es werden Eckdaten abgefragt, in einem sehr üblichen Rahmen. Danach kommt es in der Regel vielleicht noch zu einem Einspruch und so weiter.
Florian Keusch: Aber es geht alles seinen Weg, und wenn es läuft, dann läuft es.
Ronald Mechtler: Genau so ist es.
Florian Keusch: Das ist auch ein, finde ich, schönes Schlusswort für unser erstes Gespräch. Ich freue mich schon auf die nächsten Gespräche, und ich glaube, dass jetzt viele doch einiges darüber gelernt haben, was ein Prozessfinanzierer macht. Herzlichen Dank für das Gespräch.